U 575
Stier
Daten

Bericht des Kommandanten OLtzS Boehmer

 

Am 13.3.44 kurz nach Mitternacht im Atlantik, nördlich der Azoren etwa 75 Meilen vom Konvoi ON.227 entfernt, wird das Boot von der „Wellington“ B der britischen 172. Sq. und der „Fortress“ R der britischen 206. Sq. angegriffen und zum Tauchen gezwungen. „U 575“ wurde dabei leicht beschädigt.

 

Am Morgen des 13.3. wurde das Boot nach dem Auftauchen von der „Fortress“ J der britischen 220. Sq. und einer „Avenger“ der heranbeorderten „US-Task-Group 21.11“ mit dem Geleitträger BOGUE (US-Sq. VC-95) angegriffen und erneut zum Tauchen gezwungen. Gegen 14.00 h trafen die Geleitzerstörer HOBSON, HAVER-FIELD, JANSSEN, WILLIS und SWENNING zusammen mit der kanadischen Fregatte PRINCE RUPERT, die zur Geleitsicherungsgruppe C.3 des ON.227 gehörte, auf dem Kampfplatz ein. HAVERFIELD und PRINCE RUPERT griffen sofort mit Wasserbomben und Hedgehog (s.u.) an.

 

Dann stieß HOBSON dazu, während HAVERFIELD und PRINCE RUPERT in einer Entfernung von etwa einer Meile Fühlung hielten, griff HOBSON zwischen ihnen mit Wasserbomben an, die „U 575“ nach der siebenstündigen Verfolgung durch den jetzt eingetretenen starken Wassereinbruch zum Auftauchen zwang. Kaum hatte das Boot die Wasseroberfläche erreicht, schossen die Kriegsschiffe  mit ihrer Artillerie aus allen Rohren. Eine „Avenger“ der BOGUE griff mit Raketen und Bordwaffen an, daraufhin wurde ein letzter Funkspruch abgesetzt und die Selbstversenkung eingeleitet. Die Überlebenden wurden von den drei Schiffen gerettet.

Versenkung

U 575 während der Versenkung, einige Seemänner schwimmen bereits(sind als kleine Punkte zu erkennen), aufgenommen von der Avenger

 

U 575 unter Beschuß. Aufgenommen von angreifender USS Haverfield

 

Bericht der Wellington B 172 Sq.

 

Bericht des I. Wachoffiziers Helmut Gramlow

 

„U 575“ hatte als zweites Boot mit der neu eingebauten Schnorchelanlage am 29.2.44 St. Nazaire verlassen. Die Aufgabe des Bootes bestand in der Erprobung und anschließender Meldung an die Führung über die Erfahrungen mit diesem Gerät. Andererseits war das Boot durch den an Bord kommandierten Meterologen als Wetterboot in den Atlantik befohlen. Diese Tatsachen zwangen uns, den Funkverkehr mehr als nötig zu Sendezwecken in Anspruch zu nehmen.

 

Am 9.3. mussten wir befehlsgemäß 25 Minuten über den Funkweg mit der U-Boot-Führung in Verbindung treten, um über die Erfahrungen mit der Schnorchelanlage zu berichten. Genaueste Ortungsmöglichkeiten des Gegners brachten uns noch am gleichen Abend in Feindberührung mit einer Suchgruppe, bestehend aus einem Träger und wahrscheinlich drei Zerstörern. Die folgende Wasserbombenverfolgung dauerte 18 Stunden, die das Boot aber gut überstand. Die nächste Feindberührung folgte am 13.3.44 kurz nach Mitternacht. Der Anflug einer „Fortress“ mit „Leigh-Light“-Scheinwerfern und Bordwaffenbeschuß wurde durch unsere sofort einsetzende Abwehr vereitelt. Die Maschine wurde abgeschossen. Der Steuerbord-Außenbunker und der Ausblaseverteiler sind während des Anfluges durch Beschuß beschädigt bzw. zerschossen worden. Trotz des sofortigen Alarmtauchens zeichnete eine starke Ölspur von nun an den Weg des Bootes. Am Morgen des 13.3. wurde das Boot sofort nach dem Auftauchen von einer anfliegenden „Fortress“ angegriffen. Der folgende Bordwaffenbeschuß und Bombenabwurf haben das Boot nicht ernstlich beschädigt, jedenfalls war es nicht tauchunklar. Nach dem Überfliegen des U-Boot-Decks wurde getaucht und auf 180 Meter gegangen. Herangerufene Zerstörer nahmen nachmittags gegen 14.00 h eine Wasserbombenverfolgung auf, die nach sieben Stunden das Boot durch den Ausfall der elektrischen Anlagen und nach starkem Wassereinbruch in der Maschine zum Auftauchen zwangen. Die Besatzung wurde sofort aus dem Boot befohlen. Nicht gerettet werden konnte die auf Wache stehende Heizwache, da das achtere Kugelschott durch nicht geklärte Umstände nicht mehr geöffnet werden konnte. Außerdem blieb der Leitende Ingenieur mit einem Sprengkommando freiwillig im Boot. Weitere Verluste sind durch den direkten Beschuß aus allen Waffen des Gegners entstanden. Gerettet wurden 37 Mann der Besatzung. 18 Tote Position 46°18´N/27°34´W  PQ: BD6816

Aufnahme der Fortress 206 R (um 18.30 Uhr am 13.3.), auf der die verhängnisvolle Ölspur gut zu erkennen ist.

Ölspur

Hier aufgenommen um 18.34 Uhr von der Fortress 200 J.

USS Bogue CVE 9

USS Bogue CVE 9

USS Haverfield DE 393

United States, Destroyer Operations in World War II.

Von Theodore Roscoe, Published by United States

Naval Institute, Annapolis Maryland (1953) Seite 300-301

 

Die Aufgabengruppe 21.11 war eine Jägergruppe, geführt vom Begleitträger Bogue unter Kapitän J.B. Dunn. Sie umfasste den Zerstörer Hobson (Lt.Cdr. K. Loveland) die Begleitzerstörer Haverfield (Lt.Cdr. J.A. Mathews, USNR), H.M.C.S. Prince Rupert und drei Luftgeschwader, die engl. Nr. 172 und 206 und das amerikanische VC 95.

 

Die Invasion der Normandie war in der Vorbereitung, als diese Jägergruppe ausgeschickt wurde, um ein U-Boots-treffen in der Nähe der Azoren aufzulösen und alle Mann waren auf ein erfolgreiches Unternehmen aus.

 

Die Aktion begann spät am Morgen des 13., als eines von den Trägerflugzeugen einen glatten Ölstreifen sichtete. Das Flugzeug gab einen Funkspruch an die Überwasserstreitkräfte ab und warf eine Geräuschboje. Die Boje signali-sierte die Gegenwart eines U-Bootes in der Nähe und die Jagd begann. Um 11.51 Uhr kam der Begleitzerstörer Haverfield an den Schauplatz. Nach zweistündigem Suchen machten sie ein Geräusch aus in 1.900 m und um 14.17 Uhr feuerten sie eine Wasserbombenserie. Es folgten danach eine 2. und 3. Serie und um 14.47 Uhr warfen sie ein Wasserbombensperrfeuer. Die Explosionen brachten eine Traube schwarzen Öls an die Oberfläche.

 

Während dieser Zeit kam HMCS Prince Rupert auf das Schlachtfeld. Die Kanadier eröffneten einen Ortungsangriff und warfen eine Wasserbombe. Haverfield legte noch eine starke Serie um 15.38 Uhr und folgte noch einmal mit einer Serie von Wasserbomben  um 15.51 Uhr. Prince Rupert setzte die Tiefenortung fort und um 16.29 Uhr warf sie eine volle Serie Wasserbomben. Dann hielt der Kanadier Fühlung an der linken Seite um Haverfield in Angriffsposition zu bringen. Um 16.32 Uhr warf Haverfield 13 Wasserbomben runter auf das Ziel, als Prince Rupert die Peilung signalisierte. In diesem kritischen Augenblick lief der Zerstörer Hobson an zum Angriff. Sie half mit, als Haverfield einen Angriff um 17.00 Uhr machte und warf eine Wasserbombenserie. Um 17.30 Uhr versuchte Haverfield es noch einmal und warf die Wasserbomben tief herunter. Dann um 17.59 Uhr eröffnete Hobson das Feuer mit einer vollen mustergültigen Wasserbombenserie und ließ um 18.33 Uhr eine weitere Serie folgen unter Führung von Haverfield.

 

Kein U-Boot konnte diese Art von Bombardierung überleben und der deutsche Spezialist war kein Ausnahme.

 

Zwei Minuten nach Hobsons zweitem Angriff schnellte das U-Boot hoch. Als der U-Bootsrumpf das Wasser durchbrach, eröffnete Haverfield das Feuer. Prince Ruperts Artilleristen schossen auf das U-Boot mit einer 2cm Kanone und Hobson schloß sich  sogleich dem Beschuß an. Während Geschosse und Kugeln den U-Bootsturm durchlöcherten, griff ein Flugzeug der Bogue in den Tumult ein, warf zwei Bomben auf das Ziel, flog einen Kreis und feuerte Raketen in die Schiffsseiten des zusammengeschossenen U-Bootes.

 

Um 18.43 Uhr stand der U-Bootsturm in Flammen, Feuer entwickelte sich am vorderen Luk und verzweifelte Deutsche kämpften um eine Chance zu überleben. Langsam sich neigend über den Kiel versank das U-Boot allmählich. Dann, als das Wasser über die Decks spülte, machte es noch eine Verbeugung zum Himmel und schnitt unter die See mit dem Heck zu erst.

 

Haverfield fischte sieben Überlebende auf. Hobson rettete 16, einschließlich des U-Bootskapitäns und einer Leiche.

 

Dieser Sieg über „U 575“ war der erste über ein Schnorchelboot, versenkt von amerikanischen Seestreitkräften. Aber nun war es zu spät zum Schnorcheln. Die U-Bootsjäger hatten die U-Bootsmacht an der Kehle.

USS Haverfield in Pearl Harbor

USS DE 396 Janssen

USS Hobson DD 464

Bristol-Klasse Stand./Eins.-verdr.: 1.868t/2.433t Länge: 106,17m ü.A. Breite: 11m Tiefgang: 3,11m Leistung: 50.000 WPS/36,5 Kn. Bewaffnung: 5 x 12,7 cm, 6 x 12,7 mm MG, zehn Torpedorohre Besatzung: 250

HMCS Prince Rupert

USS DE 395 Willis

Avenger

Wellington RAF

Edsall-Klasse (FMR)

Haverfield, Swenning, Janssen, Willis

Standard-/Einsatzverdrängung: 1.273 t/1.627 t

Länge:  93,27 ü.Alles

Breite:  1,15

Tiefgang: 3,25

Leistung: 6.000 PS

Bewaffnung: 3 x 7,6 cm, 2 x 4 cm, 10 x 2cm

                     drei Torpedorohre

Besatzung: 186 Mann

Aber nicht allen U-Bootsjägern war in der Folge das Glück hold. So wurde die Wellington B der 172.Sq. der RAF am 27.August 1944 von „U 534“ abgeschossen. Und der Zerstörer USS HOBSON  kollidierte am 28.April 1952 mit dem Flugzeugträger USS WASP. Von der HOBSON ertranken 176 Mann, lediglich 61 konnten gerettet werden.

 

Die U-Bootjagdgruppe (Hunter-Killer-Group) BOGUE war übrigens die erfolgreichste der Alliierten mit dreizehn versenkten U-Booten.

Fortress (Fliegende Festung) des Coastel Commando

 

Clay Blair  Der U-Bootkrieg 2.Bd  S. 726-728

 

Das kampferprobte U575 war das dritte VII‑Boot, das in diesem Krieg mit einem Schnorchel auf Feindfahrt ging. Es lief am 29. Februar von St. Nazaire aus. Am 9. März, nach zehn Tagen auf See, entdeckte der 23jährige Kommandant Wolfgang Boehmer, ehemaliger Erster Wachoffizier auf diesem Boot, die britische Korvette Asphodel, die er mit einem T‑5 angriff und versenkte. Die Asphodel gehörte zum Geleit der beiden einlaufenden, gemeinsam fahrenden Konvois SL 150 und MKS 41. Diese Korvette war das erste alliierte Schiff, das einem Schnorchelboot zum Opfer fiel, obwohl diese technische Vorrichtung zu der Versenkung nichts beigetragen hatte. Andere britische Escorts des Geleitschutzes für den Geleitträger Striker, darunter die Baynton und die Clover, jagten U 575 18 Stunden lang unerbittlich mit Wasserbomben und Hedgehog‑Geschossen, doch Boehmer entkam. Als die Luft rein war, machte er sich die Versenkung und die Jagd zunutze und erstattete, wie befohlen, kurz Meldung über die Erprobung des Schnorchels. Es sei nicht ratsam, in Sichtweite alliierter Überwassereinheiten mit Schnorchel zu fahren, so Boehmer, weil die lauten Diesel die Hydrophone des eigenen Bootes überdröhnten. Und tagsüber könne der Schnorchel, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, gelegentlich Abgaswolken abgeben, die von feindlichen Schiffen gesichtet werden konnten.                                                                                                              

 

In den frühen Morgenstunden des 13. März stieß John P. Finnessey, Pilot einer mit Leigh Light ausgestatteten Wellington der britischen Squadron 172, auf Boehmers U575. Finnessey, der zum Geleitschutz des Konvois ON 227 gehörte, griff mit Wasserbomben an. Er warf außerdem schwimmfähige Leuchtbomben, gab Alarm und sendete ein Signal. Bei Sonnenaufgang erschien eine B‑17 Flying Fortress der britischen Squadron  206 mit dem Piloten A. David Beaty (später ein erfolgreicher Autor) auf der Bildfläche. Beaty griff gegen starkes Flak‑Feuer an und klinkte vier gutgezielte Wasserbomben aus. Der automatische Lademechanismus der 3,7‑cm‑Flak streikte, und es mußte von Hand nachgeladen werden. Aus diesem Grund tauchte Boehmer. Für den von oben herabsehenden Beaty hatte es den Anschein, daß das Boot mit dem Heck zuerst abtauchte und der Bug in einem steilen Winkel emporragte.

 

Beaty stieg höher und funkte Alarm. Er kreiste vier Stunden lang über der Stelle und sendete ein Signal. Schon bald traf eine B‑17 der britischen Squadron 220 mit dem Piloten Wilfred R. Travell ein. Travell sichtete einen sehr  großen Ölfleck, ging in den Sturzflug und warf zwei Wasserbomben in die Mitte des Flecks. Dann stieg er wieder höher und funkte auf Anordnung Signale für eine Zielpeilung. Diese sollten eine amerikanische, zum »Jeep«‑Träger Bogue gehörende U‑Jagdgruppe heranführen. Die Bogue war in Norfolk am 26. Februar mit Kurs auf dieses Seegebiet ausgelaufen.

 

An diesem Morgen erschien eine Avenger von der Bogue mit dem Piloten John F. Adams vor Ort, fanden Ölteppich und warf Sonobojen ab. Auch ein Zerstörer der Eskorte, die Hobson, erkundete die Region, ent­deckte aber nichts. Im weiteren Verlauf des Tages erhielt einer der vier Geleitzerstörer der Konvoisicherung, die Haverfield unter Jerry A. jr., einen klaren Sonarkontakt und griff mit Wasserbomben und Hedgehog an. Während Matthews diese Attacken durchführte, kam eine Kanadische Fregatte, die von R. W Draney geführte Prince Rupert, vorbei und schloß sich dem Angriff an. Eine weitere Avenger, mit Donald A. Pattie am Steuerknüppel, kreiste über der Stelle. Der unter dem Kommando von Kenneth Loveland stehende Zerstörer Hobson  kehrte zurück und nahm an der Jagd teil. Mit Hilfe der Anweisungen  von der Haverfield erhielt die Hobson eine klare Sonarortung und warf zwei Salven Wasserbomben. Diese brachten U575 an die Oberfläche, worauf alle drei Kriegsschiffe mit den Hauptgeschützen das Feuer eröffneten.

 

Pattie in der Avenger griff zudem mit Raketen und Bomben an. Diese Attacken venichteten U 575 endgültig. Die Prince Rupert fischte 14 Deutsche aus dem Wasser und brachte sie nach Neufundland. Die Hobson sammelte  23 Überlebende ein, darunter Boehmer und setzte sie in Casablanca ab; von dort wurden sie in die USA gebracht.

 

Dies war das zweite Mal, daß die Alliierten U‑Boot‑Fahrer von einem Schnorchelboot gefangengenommen hatten. Dadurch erfuhren sie sehr viel mehr über die technischen Details des Schnorchels und seine Funktionsweise, unter anderem auch die Tatsache, daß U‑Boote entgegen der allgemeinen Überzeugung nicht die ganze Zeit auf Schnorchelfahrt gingen, sondern nur nachts für drei oder vier Stunden, um die Batterien aufzuladen. Auf der Grundlage dieser Befragungen schrieb ein amerikanischer Geheimdienstoffizier:

 

Die Reaktionen der Gefangenen auf den Schnorchel waren alle gleich: Jeder lehnte seinen Einsatz ab und hoffte, er werde wieder abgeschafft. Einige befürchteten das plötzliche Eintreten eines Vakuums im U‑Boot, wenn eine Welle über das Kopfteil des Schnorchelmastes hinwegrollt. Andere beschwerten sich über Dieselabgase im Maschinenraum, die durch die unzureichende Ableitung der Auspuffgase entstanden seien. Alle fürchteten, daß sie in einer phosphoreszierenden See durch gegnerische Flugzeuge leicht ausgemacht werden könnten, und daß sie lieber getaucht fahren würden. [ .. ] Ein Funker lehnte den Schnorchel ab, weil dieser, wie er sagte, das Horchen mit den Mehrfach‑Hydrophonen, besonders achtern, störe. Es sei unmöglich, Geräusche aufzufangen, wenn sie sich nicht durch größte Intensität aus einer geringen Entfernung auszeichnen würden.

 

Wie das andere verlorengegangene Schnorchelboot, U264, hatte sich U575 auf der ersten Feindfahrt mit Schnorchel erst zwei Wochen auf See befunden. Als die Nachricht von diesen beiden Verlusten im Atlantikverband der B‑Boot‑Waffe bekannt wurde, förderte dies nicht eben das Vertrauen in die plumpe und allgemein abgelehnte Vorrichtung.

Erfolge

10. Feindfahrt

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