Stier

U 575

4. Feindfahrt

24.März bis 14.Mai 1942

Operationsgebiet: Westatlantik/USA-Ostküste

U 575

Am 16. April 1942 um 3.38 Uhr wird bei 38°45´N/66°45W (Planquadrat CB 44) der amerikanische Dampfer „Robin Hood“ mit 6.887 BRT versenkt.

 

Nachdem „U 575“ mit der 5. Welle vor der amerikanischen Ostküste ankam, waren die „goldenen Zeiten“ für die U-Boote nun doch schon vorbei. Die amerikanischen Gegenmaßnahmen waren skandalös langsam angelaufen und hatten die deutschen Erfolge erst ermöglicht. Aber nach vier bis fünf Monaten wirkten sich die Gegenmaßnahmen nun doch langsam aus. Trotzdem gab es genügend Schußgelegenheiten. Aber wie alle Boote, litt auch U 575 unter den zahlreichen Torpedoversagern. Auf eine Versenkung kamen zehn Fehlschüsse, teilweise auf falsche Tiefensteuerung zurückzuführen.

 

Auch diesmal gehörte „U 575“ zu keiner Gruppe.

Skizze zur 4.Feindfahrt

 

Robin Hood

Bericht und Auszüge aus dem KTB aus „U Liliput Geschichte unseres Bootes“

 

 

 

VIERTE FEINDFAHRT

 

AUSZÜGE AUS UNSEREM KRIEGSTAGEBUCH 24.3.42 bis 14.5.42

 

24.3.1942 um 17.15 Uhr St. Nazaire ausgelaufen zur vierten Feindfahrt.

 

25.3. 08.32 Uhr. Getaucht zum Unterwassermarsch.

 

Trimmpumpe ausgefallen; durch ein ins Triebwerk geratenes Ölgefäß, das offenbar nicht genügend gesichert war, ist die Pleulstange verbogen. Müssen Antriebsmotor und Trimmpumpe ausbauen. Nach 23 Stunden Reparaturzeit ist die Pumpe wieder voll betriebsklar.

 

28.3. 03.45 Uhr Funkspruch von BdU: "Englische Landung bei St. Nazaire. Alle Boote ostwärts 29 Grad westlicher Länge mit Höchstfahrt St. Nazaire ansteuern."

 

Gehen auf Gegenkurs. Große Fahrt.

 

06.55 Uhr zweiter Funkspruch von BdU: "Englischer Angriff auf St. Nazaire, von Zerstörern und Schnellbooten durchgeführt, ist abgeschlagen. Nach Ergebnis Luftaufklärung folgt weiterer Befehl."

 

07.30 Uhr Funkspruch von BdU: "Ausmarschierende Boote Marsch nach Westen fortsetzen."

 

"Die Engländer wollten landen. Es gelang leider vorbei.

In den Hotels an der Küste waren keine Zimmer mehr frei".

 

Mit diesen Spottversen wurde der Landungsversuch zur allgemeinen Erheiterung im Radio parodiert.

 

10.4. 08.00 Uhr. Wir sind gut vorangekommen. Stehen auf der Breite von New York und der Länge von Neufundland in Quadrat CC 4421 und erhalten von BdU mit Funkspruch "Freies Manöver".

 

Beabsichtigen zunächst, vor Long Island an die Küste zu gehen und dann vor New Jersey von New York bis nach Cap May zu operieren,

 

14.4. 11.20 Uhr. Wind Süd‑West 1, Seegang 1, gute Sicht. In der Morgendämmerung eine schwache Rauchwolke in Sicht in rw 90 Grad. Anscheinend ein Dampfer, der kurz vor Hellwerden und Wachwechsel seine Feuer reinigt. Laufen mit großer Fahrt auf ihn zu.

 

15.05 Uhr zwei Mastspitzen in Sicht. Stehen backbord achteraus. Setzen uns mit großer Fahrt vor. Der Dampfer läuft nach Kopplung 10 sm, Generalkurs 350 Grad, zackt um 2 ‑ 4 Dez.

 

21.12 Uhr. Stehen vor dem Gegner. Tauchen zum Unterwasserangriff. Dampfer kommt mit spitzer Lage näher. Zackt alle 3 ‑ 6 Minuten um 2 bis 3 Dez.

 

22.40 Uhr. Dampfer macht zwei starke Kursänderungen von uns weg, drehen mit großer Fahrt nach und haben ihn um 22.43 Uhr auf 1500 Meter mit Bug links, Lage 90, vor den Rohren. Schießen einen Vierer‑Fächer, Tiefe 3, Bug links, Lage 90, Gegnerfahrt 10, Entfernung 1500. Der Fächer liegt nach Horchpeilung einwandfrei. Der Gegner hält Kurs und Fahrt durch. Es erfolgt jedoch keine Detonation, offensichtlich untersteuert. Diese Annahme wird durch eine spätere Beobachtung bestätigt, bei der unser Torpedo mit Tiefeneinstellung 2 Meter nach Wirkung und Sprengsäule mindestens drei Meter unter der eingestellten Tiefe getroffen hat. Letzte Entlüftung der Tiefenapparate fünf Stunden vor dem Schuß !

 

16.4. 00.00 Uhr. Tauchen auf und setzen uns vor zum Überwasser-Nachtangriff. Dunkle Nacht, zeitweise starkes Meeresleuchten. Kommen an der Steuerbordseite des Dampfers schnell nach vorn. Stehen 03.30 Uhr in vorlicher Position und laufen an.

 

03.39 Uhr Doppelschuß auf 1100 Meter, Bug rechts, Lage 90, Gegnerfahrt 10 sm, Tiefe 2 Meter. Erster Torpedo durchbricht die Oberfläche und "macht ein Bajonett". Zweiter Torpedo läuft einwandfrei. Nach 75 Sekunden ‑ 1100 m ‑ Treffer Mitte, niedrige Sprengsäule, muß sehr tief sitzen, offensichtlich 3 ‑ 4 Meter tiefer als eingestellt. Kurz darauf eine Kesselexplosion. Dampfer neigt sich zur Seite, bricht in der Mitte durch und ist 7 Minuten nach der Detonation verschwunden. Sein Funkspruch auf der 600Meter‑Welle "SOS TNKO torpedoed .... " bricht mitten im Satz ab. Geschätzte Größe 7000 BRT. Wie wir heute wissen handelte es sich um den amerikanischen Dampfer Robin Hood mit 6887 BRT.

 

Setzen Marsch nach Westen fort.

 

17.4. 19.20 Uhr. CA 9496, Wind Ost 1, Seegang 1, mäßige Sicht. In rw 260 Grad zwei Mastspitzen in Sicht: Schnell laufender Dampfer auf nördlichem Kurs. Es ist stark dunstig. Müssen deshalb auf kürzeste Entfernung Fühlung halten, so daß der Dampfer zeitweise bis zur Brücke heraus ist. Setzen uns mit Höchstfahrt vor. Peilung wandert jedoch nur sehr langsam achteraus. Gegnerfahrt nach Kopplung 15 sm, Gegnerkurs 345 Grad, geringe Zacks.

 

01.00 Uhr Dämmerungsbeginn, staffeln näher heran.

 

02.00 Uhr. Dunkle Nacht, starkes Meeresleuchten. Der Wind hat aufgefrischt auf Süd‑West 4. Grobe See aus Süd‑West. Setzen uns an der Luv‑Seite des Dampfers weiter vor.

 

05.56 Uhr. Stehen jetzt soweit vorlich, daß wir den Dampfer mit Bug links, Lage 15, in rw 130 Grad peilen. Drehen zu und laufen an. Schießen auf geringste Entfernung von 400 Meter einen Doppelschuß aus Rohr II und IV, Bug links, Lage 80, Tiefe 2, Gegnerfahrt 15 sm, drehen nach dem Schuß hart ab und schießen noch einen Hecktorpedo auf 400 m, Lage 110, Tiefe 2, gleiche Gegnerfahrt, hinterher. Der Dampfer ist zum Greifen nahe und in allen Einzelheiten deutlich zu erkennen: "Typ American Reefer".

 

Keine Detonation! Gegnerwerte sind genau erfaßt. so daß auf eine Entfernung von 400 Metern ein Fehlschuß nur durch Untersteuern zu erklären ist. Trotz des starken Meeresleuchtens sind wir unbemerkt geblieben. Offensichtlich hat sich die Brückenwache drüben nach Lee verholt. Setzen uns jetzt auf geringsten Querabstand ein zweites Mal vor.

 

06.50 Uhr. Stehen 3 Dez vorlich vom Gegner. Haben nur noch drei Elektrotorpedos. Beabsichtigen deshalb einen Einzelschuß. Laufen mit AK zu, der Schuß fällt auf 600 Meter. Gegnerfahrt 15 sm, Tiefe 1,5 Meter, Bug links, Lage 110. Wieder fehl! Habe an sich die Absicht, noch einen dritten Angriff mit dem M.G. C 30 zu versuchen. Beim Abdrehen nach dem Schuß kommt es jedoch zu einem Ruderversager. Infolge des starken Seitendrucks auf die Ruderblätter springt der Rudermotor beim Abdrehen mit Äußerster Kraft nicht sofort an, wenn das Ruder wieder mittschiffs gelegt werden soll. Deshalb meldete der Rudergänger "Ruderversager", der durch Auskuppeln des Ruders dann auch praktisch wirksam wurde. Durch diese Verzögerung hat sich der Abstand derart vergrößert, daß der Dampfer außer Sicht verschwindet und ein neues Vorsetzen nicht mehr lohnt. Geben die Verfolgung auf.

 

Da wir vorn und achtern nur noch je einen Eto haben, beabsichtigen wir, in CA 95, wo mit ruhigem Wetter zu rechnen ist, die Oberdeckstorpedos zu übernehmen.

 

19.3. 12.50 Uhr. Eben nach Sonnenaufgang meldet die Brückenwache in rw 90 Grad einen Dampfer mit Kurs 210 Grad. Setzen uns mit Höchstfahrt vor zum Überwasser‑Tagesangriff. Da kommt eine Stunde später voraus in 190 Grad ein zweiter Dampfer in Sicht, Kurs 315 Grad. Da er uns genau vor den Bug läuft, müssen wir vom ersten Dampfer auf diesen zweiten übergehen. Doch kaum haben wir unseren Kurs geändert, als um 14.40 Uhr in rw 290 Grad ein dritter Dampfer mit Kurs 230 Grad in Sicht kommt. Aber wir haben keine Wahl. Müssen tauchen und mit großer Fahrt unter Wasser zum Angriff auf den zweiten Dampfer anlaufen. Um 16.00 Uhr haben wir ihn auf kürzeste Entfernung mit Lage 80 vor den Rohren ‑ und können nicht schießen. Der Dampfer führt die schweizer Flagge und in großen Buchstaben die Aufschrift SWITZERLAND an der Bordwand.

 

17.15 Uhr aufgetaucht. Der Schweizer ist mit Schornstein und Masten heraus. Die anderen Dampfer sind inzwischen abgelaufen und ca. 30 sm von uns entfernt. Ein Nachstoßen wäre wenig erfolgversprechend. Nach unseren bisherigen Beobachtungen und den Meldungen anderer Boote ist jedoch in diesem Gebiet mit starkem Verkehr und weiteren Dampfern zu rechnen.

 

Die Wetterbedingungen sind günstig, so daß wir heute Abend die Oberdeckstorpedos übernehmen können.

 

20.4. 01.30 Uhr. Wind Nord‑West 3, See 2. In der Abenddämmerung sind wir am sichersten, beginnen mit der Übernahme des vorderen Oberdeckstorpedos. Das Boot liegt mit einer E‑Maschine halber Fahrt, Tauchzelle 1 geflutet, gut vor der See. Die Übernahme geht reibungslos vonstatten. Bei den Vorbereitungen für die Übernahme des achteren Torpedos wird jedoch die Ubernahmemulde durch eine überkommende Welle außenbords gespült. So müssen wir uns mit dem einem Torpedo begnügen.

Kurz nach Beendigung der Torpedoübernahme kommt um 05.35 Uhr ein Bewacher mit östlichem Kurs in Sicht. Setzen uns im dunklen Sektor an seiner Steuerbordseite mit großer Fahrt und anschließend Äußerster Kraft vor. Der Silhouette nach handelt es sich um einen Küstenwachkreuzer vom Typ "Campbell". Stehen noch steuerbord achteraus von ihm, als er plötzlich kehrt macht und hart auf uns zu dreht. Gehen auf Gegenkurs und laufen gegen die See nach Westen ab.

 

06.35 Uhr. Bewacher kommt achteraus außer Sicht.

 

Wir haben jetzt noch zwei Torpedos vorn und einen achtern in den Rohren. Brennstoffbestand 54 Kubikmeter. Zur Brennstoffersparnis könnten wir nachts gestoppt liegen und damit unseren Einsatz um einige Tage verlängern. Die Verkehrslage ist günstig, Artillerieeinsatz möglich.

 

18.40 Uhr. Alarm vor Flugzeug mit Kurs 270 Grad.

 

21.4. 15.10 Uhr. Alarm vor Schwimmerflugzeug mit Kurs 90 Grad.

 

16.50 Uhr. Alarm vor Schwimmerflugzeug auf dem Rückflug nach Land zu.

 

22.4. Während der Nacht von 00.00 Uhr bis 11.25 Uhr gestoppt gelegen. Beide E‑Maschinen klar. Haben mit "beide Maschinen große Fahrt" bis zum Klarmelden der Diesel sofort Fahrt im Boot. Bei den verhältnismäßig hellen Mondnächten ist eine Überraschung somit ausgeschlossen.

 

13.30 Uhr meldet Schnee: "DC 6155, Aquitania, Kurs Nord, 20 sm." Setzen uns so vor, daß wir ab 21.00 Uhr, wenn wir Glück haben, genau vor der Aquitania stehen.

 

21.20 Uhr. Zwei U‑Boote, Uphoff und Schug, in Sicht. Ziehen uns vor dem voraussichtlichen Kurs der Aquitania zum Vorpostenstreifen auseinander; aber leider tut sie uns nicht den Gefallen.

 

25.4. Haben noch 49 Kubikmeter Brennstoff. Unsere Anfrage an BdU: "Spätere Ergänzung möglich?" wird negativ beschieden.

 

Treten Rückmarsch an, unter Ausnutzung des Golf‑Stroms auf dem Großkreis.

 

29.4. CB 4971. Wind Ost 4, Seegang 3, Mondnacht, gute Sicht.

 

Ausguck meldet ein U‑Boot in rw 160 Grad auf Westkurs. Drehen zu, um es uns in Ruhe von weitem anzusehen. Es steht günstig unter dem Mond. Laufen mit kleiner Fahrt an. Das Boot zeigt breite Silhouette , Bug rechts, Lage 80, auf 1500 Metern ist es gut auszumachen, hat die typisch amerikanischen Netzabweiserspieren vorn und achtern. Mit 90prozentiger Wahrscheinlichkeit ist es ein amerikanischen U‑Boot vom Typ R 1. Es wäre eine wunderbare Schußgelegenheit, aber meine Absicht mit AK anzulaufen und zu schießen, sobald es einwandfrei als Amerikaner erkannt ist, gelangt nicht mehr zur Ausführung. Das Boot bemerkt uns auf 1200 Meter Entfernung, dreht ab und taucht.

 

Funkspruch an BdU: "CB 4957, amerikanisches U‑Boot R 1, nicht geschossen, da Verwechslung möglich."

 

9.5. 21.50 Uhr, BE 4653.In rw 110 Grad ein U‑Boot in Sicht, taucht an der Grenze der Sichtweite, bevor Kurs und Typ ausgemacht werden können. Weichen nach Süden aus und setzen Ostmarsch fort.

 

12.5. 08.05 Uhr, BF 4558, Alarm vor Flugzeug. Nicht gesehen. Bleiben unten zum Unterwassermarsch.

 

14.5. 07.30 Uhr. Eingelaufen mit Geleit.

 

09.30 Uhr in St. Nazaire festgemacht.

 

Das Ergebnis dieser Reise mit einer Versenkung und zehn Fehlschüssen war nicht sehr befriedigend.

 

In seinem Buch "Zehn Jahre und zwanzig Tage" schreibt Dönitz, daß der deutschen Seekriegsführung durch Torpedoversager bei den U‑Booten während des zweiten Weltkrieges große Erfolge entgangen sind. Obgleich gegen die für die Fehlentwicklung verantwortlichen Offiziere und Beamten 1941 Anklage vor dem Reichsgericht erhoben worden war, konnten die Fehler in der Tiefensteuerung, wie Dönitz auf Seite 94 seines Buches schreibt. erst Ende 1942 nach Änderung des Tiefenapparates behoben werden und erst im Dezember 1942 erhielt die Front die ersten Exemplare einer neuen Abstandspistole, die auch gleichzeitig als Aufschlagpistole wirksam war,

 

Aus der Funkkladde unseres Bootes ergab sich nach der dritten Feindfahrt folgende erschütternde Bilanz; von acht Booten, die eine Erfolgsmeldung abgegeben hatten, meldeten fünf Boote Torpedoversager, und zwar:

 

Degen: "Zwei Pi‑Versager, drei ungeklärte Fehlschüsse".

 

Hartenstein: "Vorgestern zwei Etos Fehl, klare Unterlagen, Tiefe 3 und 2 Meter; gestern drei Fehl gegen gestoppten Frachter."

 

Uphoff: "Dreier‑Fächer und Mehrfachschuß ungeklärt fehl, sichere Schußunterlagen, Entfernung 600 Meter, Tiefe 2 und 1 Meter, ruhige See. Bei Unterwasserfächer zwei gehörte Aufschläge (keine Detonation)."

 

Forster: "Zwei Fehlschüsse auf Dampfer, Quadrat BA 99, fünf Fehlschüsse DS 51 auf großen Frachter, davon drei auf gestopptes Schiff, Tiefe 2 Meter, gesamt neun Fehlschüsse und ein Rohrläufer".

 

Schulz: "BC 76, fünf Fehlschüsse auf kleinen Frachter, CC 22 zwei Fehlschüsse auf Frachter in Ballast."

 

So wie diesen Booten erging es 1942 und sogar noch Anfang 1943 vielen anderen.

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